Rutschpartie auf der Wiese, Hagelchaos und Podiums-Dominanz: mr20 Karlsruhe trotzt den Elementen in Farchant!
VPACE Kids Cup #4: Raesha Azriyan stürmt trotz Wetterkapriolen zum nächsten Sieg, Fynn Wickersheim knackt die Top 10 und Ben Aigner beweist echten Kämpfergeist nach Sturzpech.
Das Rennwochenende zum vierten Lauf des VPACE Kids Cups im bayerischen Farchant startete für die Crew von mr20 Karlsruhe mit der ersten großen Geduldsprobe: Freitagabend, Kette rechts auf der Autobahn – beziehungsweise eben nicht, denn gähnend langer Stau strapazierte die Nerven der angreisten Racer und Betreuer. Doch im Fahrerlager angekommen, gab es kein langes Verschnaufen. Unter Flutlicht und mit Stirnlampen bewaffnet hieß es direkt: Paddock-Vibe aktivieren. Das Bike von Ben Aigner brauchte dringend eine Last-Minute-Reparatur, damit am Samstag alles bereit für die Jagd nach Millisekunden war.
Der Samstagmorgen am Skilift am Ried präsentierte sich zunächst verhalten optimistisch. Der ausrichtende TSV Farchant e.V. hatte einen schnellen Kurs komplett auf den Rasen- und Wiesenhang gezaubert, gespickt mit einem kleinen, knackigen Wurzelfeld, das nach absoluter Präzision bei der Line Choice verlangte. In den Trainingsläufen hielt das Grip-Niveau bei weitgehend trockenen Bedingungen und nur vereinzelten, leichten Nieselschauern noch stand. Die Linien auf dem Rasen saßen, der Kaffee im Zielbereich schmeckte und die Stimmung war absolut rennmäßig geladen.
Doch pünktlich zum Start der Mini Girls öffnete der Himmel seine Schleusen – und zwar kompromisslos. Als Führende der Gesamtwertung rollte Raesha Azriyan als allererste Fahrerin an das Startgatter. Genau in diesem Moment setzte heftiger Starkregen ein, der die Wiese augenblicklich in eine unberechenbare Seifenbahn verwandelte. Während die älteren Klassen später "nur" mit einer nassen Strecke zu kämpfen hatten, erwischte das Unwetter die kleinsten Shredder eiskalt. Raesha kämpfte sich durch die Bedingungen, büßte aber wie auch Fynn Wickersheim im ersten Durchgang wertvolle Sekunden ein. Ben hingegen brachte seinen ersten Run solide runter: Die Zeit war okay, wenn auch noch keine absolute Spitzenzeit, aber die fahrerische Basis war gelegt.
Wer dachte, das Wetter-Chaos hätte damit sein Pulver verschossen, wurde im zweiten Lauf eines Besseren belehrt. Beim Warten auf den Start setzte der absolute Albtraum ein: Weltuntergangsstimmung und Hagel in Farchant! Wieder traf es die Minis in der Startaufstellung beim Warten am härtesten.
Doch echte Mountainbiker härtet das nur ab. Raesha bewies Nerven aus Stahl, zirkelte ihr Bike trotz der Eisgeschosse von oben perfekt über den rutschigen Rasen sowie das nasse Wurzelfeld und brannte eine Fabelzeit von 01:55,8 Minuten in den Matsch! Damit distanzierte sie die internationale Konkurrenz um mehr als eine Sekunde und sicherte sich den verdienten Sieg bei den Mini Girls – die makellose Serie hält und wurde auf dem Podium standesgemäß gefeiert!
Auch Fynn drehte im zweiten Durchgang mächtig auf: Im gigantischen und extrem dicht besetzten Feld der 45 Maxi Boys steuerte er sein Bike mit chirurgischer Präzision durch die aufgeweichte Wiese und finishte mit einer bärenstarken Zeit von 01:26,1 Minuten auf einem genialen 10. Platz! Eine Leistung, die im Zielbereich direkt im offiziellen Interview gewürdigt wurde.
Dass Freud und Leid im Rennsport verdammt nah beieinanderliegen, musste an diesem Tag leider Ben erfahren. Im Finale passte der Grip auf der extrem schmierigen Wiese einmal kurz nicht: Ein leichter Sturz, der eigentlich harmlos war, im engen Starterfeld der Maxi Boys durch das schnelle Aufrappeln aber trotzdem extrem viel Zeit kostete. Seine Zeit aus dem ersten Durchgang von 01:35,0 Minuten konnte er dadurch nicht mehr verbessern. Platz 32 im Mittelfeld – ein Ergebnis, das seinen wahren Speed an diesem Wochenende absolut nicht widerspiegelt. Die Enttäuschung stand ihm verständlicherweise ins Gesicht geschrieben und die Laune war kurz im Keller. Aber genau das ist Racing: Mund abputzen, weitermachen!
Am Samstagabend wurden die Autos und Camper schließlich wieder gepackt. Mit müden Knochen, nassen Klamotten, aber einer ordentlichen Portion Stolz im Gepäck trat die Karlsruher Crew die Heimreise an – die diesmal glücklicherweise deutlich flüssiger und staufrei lief. Farchant 2026 war ein epischer Ritt gegen die Elemente auf rutschigem Wiesengrund, der einmal mehr gezeigt hat, aus welchem Holz unsere Nachwuchs-Racer geschnitzt sind!